Verein "Dokumentation Basler Fasnacht"

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Häufig gestellte Fragen (FAq)



was macht das Projekt?


Das Projekt setzt innert drei Jahren die wichtigsten Inhalte des UNESCO-Übereinkommens zur Sicherung und Bewahrung des immateriellen Weltkulturerbes der Basler Fasnacht um. Diese beinhalten die Erfassung und Verknüpfung von Archiven und diese für Forschung und Vermittlung zugänglich zu machen. Damit werden eine zeitgemässe Auseinandersetzung und Erforschung der Basler Fasnacht möglich und gefördert.




BRAUCHT ES DAS PROJEKT?


Die Basler Fasnacht wird es auch ohne Projekt und ohne UNESCO-Auszeichnung weiterhin geben. Ziel der UNESCO-Auszeichnung ist aber das Unterstreichen der gesellschaftlichen Bedeutung und eine politische Aufwertung, damit das Kulturerbe geschützt und gefördert wird. Das Kulturerbe soll nicht nur in seiner ökonomischen, sondern auch in seiner sozio-kulturellen Bedeutung wahrgenommen werden. Wird das UNESCO-Übereinkommen nicht umgesetzt, ist die Auszeichnung kraft- und wirkungslos. Das bedeutet zusammengefasst, dass die Basler Fasnacht die Auszeichnung zwar nicht braucht. Die Auszeichnung kann das Kulturerbe und seine Träger bei der Ausführung aber unterstützen und fördern, sofern das Übereinkommen auch umgesetzt wird.



 

WAS IST WICHTIGER - DIE UMSETZUNG DES PROJEKTES ODER SOFORTHILFE IN ZEITEN VON ABSAGEN DER FASNACHTSUMZÜGE?


Beides soll nicht gegeneinander ausgespielt werden. Unbestritten sind Soforthilfen und Unterstützung von Menschen wichtiger, die in ihrer Existenz generell oder durch Absagen und Einschränkungen der Fasnacht bedroht sind. Das Projekt hingegen ist als Grundlagenarbeit eine langfristige Investition in die Auseinandersetzung und damit Aufwertung des Kulturerbes. Die Wichtigkeit des Projektes ist bei Fachstellen inhaltlich unbestritten und wird von verschiedenen Instanzen von Vereinen, über kantonale Institutionen bis hin zu Bundesstellen unterstützt. Dass das Projekt aber selbst in Zeiten einer reellen Bedrohung des Kulturerbes (Absagen aufgrund von COVID19) noch immer nicht genügend finanziell unterstützt wird, deutet auf einen schwachen politischen Standpunkt der Fasnacht hin. Die sozio-kulturelle Bedeutung und Wichtigkeit für viele Menschen über die Region hinaus wird noch immer nicht überall anerkannt. Daran hat auch das Label UNESCO (noch) nichts geändert. Das kann sich mit der Umsetzung des Projektes aber in Zukunft ändern und davon werden auch die Akteure und Träger des kulturellen Erbes, die Fasnächtler:innen, profitieren.

 



MUSS DIE FASNACHT TROTZ COVID19 STATTFINDEN KÖNNEN?


Das Projekt ist und wird keine Plattform des Protestes sein. Eine Strassenfasnacht kann und darf z.B. nicht um jeden Preis stattfinden. Das sieht die UNESCO-Auszeichnung nicht vor. Aus Sicht des Projektes ist es für das Kulturerbe aber wichtig, dass trotz Krisen und Bedrohung Strukturen und Rahmenbedingungen für die Punkte geschaffen und gefördert werden, die das Kulturerbe auszeichnen. Das kann über das Handwerk, Musikalität, Sprache (mündlich und schriftlich), Infrastruktur bis hin zur Nachwuchsförderung gehen und muss Gegenstand des politischen Dialoges und Entscheidungen sein. Die Fragen, die bei der Abwägung und Entscheidung gestellt werden sollten, sind, was zeichnet die Basler Fasnacht aus, wofür hat es das UNESCO-Label erhalten und wie können wir diese Punkte fördern.


 


WEM NUTZT DAS PROJEKT?


Das Projekt ist nicht nur für die Forschung und Vermittlung wichtig. Mit einer Auseinandersetzung in verschiedenen Facetten erfährt das Kulturerbe durch die Schriftlichkeit und die damit einhergehende Öffentlichkeit eine Relevanz und damit Aufwertung. Das soll auch während Krisenzeiten helfen politischen Nachdruck zu verleihen, damit das Kulturerbe möglichst stattfinden kann und gefördert wird. Ausserdem erhalten Vereine und Institutionen, die ihre Archive über das Projekt verknüpfen und zugänglich machen, Unterstützung im Umgang mit und Anlegen eines Archives.

 



ENTSTEHT MIT DEM PROJEKT EIN ZENTRALES PHYSISCHES ARCHIV ODER EIN NEUES MUSEUM?


Nein – das Projekt konkurriert nicht mit bestehenden Archiven oder Museen, sondern arbeitet mit diesen zusammen, vermittelt und koordiniert, indem es alle relevanten Vereine und Institutionen an einen Tisch bringt und über eine digitale Datenbank die Archive miteinander verknüpft. Das Projekt selbst wird deshalb keine Objekte annehmen können, sondern wird während der Projektlaufzeit erste Anlaufstelle (Single point of contact) für Fragen und Zugänge zum immateriellen Weltkulturerbe der Basler Fasnacht sein. Nach der Projektlaufzeit wird das Ergebnis an eine geeignete Stelle übergeben, die die Persistenz und Öffentlichkeit weiterhin gewährleisten wird. Das Kulturgut ist öffentlich und wird immer öffentlich bleiben, resp. den Trägern gehören. 



 

WESHALB BRAUCHT DAS PROJEKT ÜBERHAUPT GELD? FASNACHT IST DOCH EHRENAMTLICH.


Fasnacht ist und soll auch mit einer Aufwertung durch das UNESCO-Label ehrenamtlich bleiben. Die Projektarbeit verlangt aber ein hohes Mass an Professionalität und Pensen von verschiedenen Kompetenzen sowie eine nachhaltige Datenbanklösung, die nicht nur ehrenamtlich geleistet werden können. Das Projekt budgetiert eine Laufzeit von drei Jahren und rund CHF 400'000.-- für Datenbank und Mitarbeit. Darin enthalten sind aber auch ehrenamtliche Leistungen, d.h. der tatsächliche Finanzierungsbedarf ist tiefer.



 

WIE SETZEN TRÄGER ANDERER IMMATERIELLER KULTURERBE IN DER SCHWEIZ IHRE PROJEKTE UM?


Es gibt noch nicht viele immaterielle Kulturerbe mit der Auszeichnung UNESCO wie die Basler Fasnacht. Das Projekt hat in seiner Grösse schweizweit Pilotcharakter und kann auch für weitere und andere Projekte wichtige Erkenntnisse liefern. Der Umgang mit immateriellen Kulturerben ist anspruchsvoll sowie herausfordernd und auch aktuelles Thema an Tagungen von Museen und Trägern von lebendigen Traditionen. Des Weiteren geht es bei den immateriellen Gütern nicht darum, einen Ist-Zustand einzufrieren oder festzuhalten, wie z.B. die Basler Fasnacht zu funktionieren hat und ablaufen soll. Immaterielle Güter verändern sich stetig, daran wird und kann das Projekt auch nichts ändern. Aber Veränderungen in seiner Entwicklung oder Brüche während Krisenzeiten sollen durch die Zugänge zu Archiven erforscht und beschrieben werden können. Die Fasnacht ist ein Spiegel gesellschaftlicher Prozesse - ein Spiegel von uns selbst.